Märchenwald

Sinneszelle, Muskelzelle,
Drüsenzelle, die Synapsen,
die vertrackten, takten
und verknüpfen sich zum Feuerwerk im Schattenspiel,
Autobahnen der Gefühle, Stoppschild an der Logikkreuzung,
klopfen Nervenzellen an der Ruhe, rechtes Hirn quält linke Seite,
volle Breite, mach ich nicht, will ich nicht,
zieh den Stecker mit Dionysos. Freude schöner Götterfunken.
Verkehrsberuhigung in Sekunden, ein paar Stunden Märchenwald.

(c) Sunny Möller

Emma´s Welt und die Liebe

(c) natasha_chatkova

Emma: „In der Liebe kannst du nicht schummeln!“

Ich: „Aber du kannst doch so tun, als ob du jemanden liebst!“

Emma: „Warum sollte man das tun?“

Ich: „Keine Ahnung, aber auch in der Liebe gibt es Lug und Trug.“

Emma: „Ich habe das nur einmal gemacht!“

Ich: „Echt? Wann?“

Emma: „Als ich letzte Woche bei Oma gegessen habe. Es gab Rosenkohl. Ich hasse Rosenkohl. Aber ich habe ihn gegessen, weil ich sie lieb habe. Dann hab ich auf ihren neuen Teppich gekotzt. Das fand sie schlimmer, als ihren Rosenkohl doof finden.

Ich: „Also ist Schummeln in der Liebe zum Kotzen?“

Emma: „So ungefähr!“

© Sunny Möller

Der Einkaufswagen atmet…

Ich bin ein absoluter Verfechter der offenen, netten und respektvollen Umgangsformen. Leider knallt mir mit jedem weiteren Lebensjahr eine immer stärker werdende Verwahrlosung dieser entgegen. Komischerweise passiert mir das aber immer nur in Deutschland. Liegt es am Wetter, an Angela Merkel oder sind am Ende doch wieder die Flüchtlinge schuld? ich sehe mich in nächster Zeit wohl oder übel dazu gezwungen, eine Schlägerei mit meinen sozial inkompetenten Mitmenschen anzufangen. Ich könnte mir auch vorstellen, mich im Vokabular zu vergreifen. Man wird sehen.

Beispiel:

Einkauf in einem hiesigen Supermarkt. Ich stehe mit meinem Wagen in einem der Gänge und informiere mich über diverse Inhaltsstoffe vermeintlicher Bioprodukte. Hinter meinem Rücken kommt etwas angefahren. Es atmet hörbar, ich beschließe mich und meinen Wagen weiter auszudehnen. Bewusst? Natürlich. Es bleibt an meiner Sozialkompetenzerkennerbarriere hängen. Es atmet eine Nuance genervter, leidlich ruhig. Es sagt jedoch nichts. Ich packe ein Paket Sojaflocken in den Wagen und begebe mich in Weiterschiebeposition. Die Atmung mutet Erleicherung an. Ich unterbreche meinen Schiebevorgang, entferne die Flocken und stöbere unentschlossen weiter. Jetzt atmet es aggressiv, ich höre ein leichtes Zischen: „Was für eine Frechheit!“ Ich drehe mich zum Organ der gestörten Atmung um. Wie erwartet blickt mich etwas Unzufriedendes, Gegrämtes, Ungevögeltes, seit Jahren nicht Geliebtes und Geküsstes an. Es begibt sich dennoch hin und wieder in die Außenwelt, um den Anderen zu zeigen, wie frustriert man sein kann. Ich schaue lächelnd, freundlich. „Warum fragen Sie denn nicht einfach, ob ich meinen Wagen kurz beiseite schiebe? Ich lasse Sie doch sehr gerne vorbei!“ Es guckt verständnislos, zum Abschießen wahlloser Beleidigungen bereit. „Sie spinnen ja wohl!!! Wenn Sie zu doof sind, zu sehen, dass ich vorbei will, dann soll ich noch fragen? Was für eine Frechheit!!!“ Ich zücke mein imaginäres Messer. „Ich dachte, Sie wollten sich vorbei atmen!“

Es ist mir in die Hacken gefahren. Es hat nicht mehr geatmet….

© Sunny Möller

Aufs Kranksein gibt´s Prozente!

 

Ich gehe ja überhaupt nicht gerne zum Arzt! Wer nicht krank ist, wurde nur noch nicht gut genug untersucht. So langsam fange ich auch an, so meine Schwierigkeiten mit den Apotheken zu haben. Auch da gibt es mittlerweile Gutscheine, Kundenkarten, Bonuskarten, Treuetaler, Treuepunkte, Payback für Laydown und jetzt auch den Super-Sale-Montag mit sage und schreibe 20% Nachlass auf alle rezeptfreien Medikamente!!! Wusste ich das? Nein, wusste ich nicht! Wollte ich das? Nein, wollte ich nicht.

Aber was man sich da sparen kann, wurde mir erst klar, als ich heute die Apotheke betrat. Ich wollte einfach nur eine schnöde Zeckenzange kaufen, die kleinen Biester sind ja ganz schön aktiv. Mit dem dann, auf mich einstürzenden, Ansturm, hatte ich nicht gerechnet. Eine Menschenschlange wie beim 43. Abschiedskonzert der Rolling Stones. Wahrscheinlich kommen die Jungs auch zum Medi-Sale, wie sonst schaffen sie es, ihre Körper immer wieder auf die Bühne zu zerren? Vor mir stehen Rentner, junge Mütter, Vollzeitkranke, Arbeitslose und solche, die es werden wollen, Alte und Junge mit Rollator (wann haben die Rollwagenbesitzer so inflationär zugenommen?) und Menschen wie ich, mit dem Wunsch nach einer Zeckenzange.

Was wollen die alle hier? Das Wetter ist schön, eigentlich ist man da doch lieber gesund. Da ich seit zehn Minuten in Warteposition 9 verharre, weil die Frau, die dran ist, ein ausführliches Gespräch über Verdauungsprobleme benötigt, bekomme ich mehr von den Beschwerden meiner Mitmenschen mit, als mir lieb ist.

Dran-Frau:

„Ahhhh ja, Ballaststoffe, meinen Sie? Man hört es ja überall, aber warum den Ballaststoffe? hat das für Sie keinen negativen Beigeschmack? Ich bitte Sie! Ballast!!! Hört sich für mich nicht verdauungsanregend an! Beim Wort schnürt sich mir schon der Magen zu!“

Apothekerin/
PTA:

„Die Ballaststoffe in den Lebensmitteln, die Sie essen, sorgen für eine regelmäßige Verdauung! Nur Weißmehlprodukte sind schlecht!“

Dran-Frau:

„Haben dann alle Italiener Verstopfung?“

Apothekerin/
PTA (man weiß es nicht):

„Ich glaube nicht!“

Dran-Frau:

„Warum wollen Sie mich dann mit ihrem Ballast belasten?“

Apothekerin/
PTA (jetzt weiß sie es nicht):

„Entschuldigung, das haben Sie jetzt falsch verstanden. Sie haben mich gefragt, was Sie für einen regelmäßigen Stuhlgang tun können!“

Dran-Frau:

„20% auf Alles?“

Apothekerin/
PTA (hoffnungsvoll):

„Ja, auf alle rezeptfreien Medikamente.“

Dran-Frau:

„Dann nehme ich 3 Packungen von ihrem stärksten Abführmittel und zur Vorbeugung noch etwas gegen Durchfall! Haben Sie auch gute Appetitzügler? Vielleicht zum Kauen, mit Schokogeschmack? Dann jeweils eine Packung Aspirin, Paracetamol und Ibuprofen, davon aber nur eine 10er, man hört ja so Einiges, von wegen Herzinfarkt und so! Haben Sie auch was Rezeptfreies bei Kreislaufschwäche? Ich brauch die Schmerzmittel wirklich! Wenn Sie wüssten, was ich schon alles hinter mir habe!!! Da fällt Ihnen nichts mehr ein! Aber ich sag immer, alles ist besser als Krebs! Vergessen Sie meine Treuetaler nicht!“

Apothekerin/
PTA (geschult höflich):

„Natürlich nicht! Das macht dann 43,25 €.“

Dran-Frau:

„Und was ist mit den 20 Prozent???“

Apothekerin/
PTA (ungeschult verzweifelt):

„Die sind schon runter!“

Dran-Frau:

„Ohhh, ganz schön happig! Na ja, was tut man nicht alles für die Gesundheit! Bis nächsten Montag!“

Jetzt bin ich Nummer 8….

© Sunny Möller

Liebe

(c) natasha_chatkova

Mein Herz ist nicht zu verschenken,
aber die Liebe, die da ständig überschwappt,
die ist zu haben!

© Emma-Lilu

Das Wetter ist ein Hamsterrad

Ab Januar warte ich auf den Frühling, ab März warte ich auf besseres Wetter, um mich im April langsam auszukotzen, dass es überhaupt nicht wärmer wird. Zwischenzeitlich Hagel. Ab Anfang Juni warte ich dann auf den Sommer, weil der Mai bis auf zwei Tage auch scheiße war. Der Sommer kommt nicht, man vertröstet mich auf den Altweibersommer, den ich ätzend finde, weil eh schon alles auf Herbst eingerichtet ist. Im Herbst will ich Kastanien zum Dekorieren sammeln, die sind aber alle schon weg, die schleppen irgendwelche Drecksschratzen mit ihren Eltern zu einem Snackhersteller, da gibt es für 10 Kilo Kastanien, 1 Kilo Chips umsonst. Weil der Besitzer Jäger ist. Ich kotze erneut. Ab Mitte November warte ich dann auf Schnee, der maximal einen Tag als Matschepampe kommt. Ich sprühe die Fenster mit Kunstschnee voll! Komplett! Ich übergebe mich innerlich. Weihnachten und Silvester kauft sich die Welt gute Laune gegen komisches Wetter….

Ab Januar warte ich auf den Frühling, ab März…

Wer ich bin!

Wer bin ich? Was bin ich, warum oder wie viele bin ich? Keine Ahnung, aber auf jeden Fall bin ich das! Vielfältig mit Knall! Eins muss ich heute Abend unbedingt loswerden: Schön, dass es euch gibt, dass ihr kreativ seid, schreibt, lebt, tobt, lacht, zweifelt, kocht und einfach der Welt eure Sicht der Dinge preisgebt. Ich versuche so viel wie möglich zu lesen, verzeiht wenn ich nicht immer allen gleich viel Aufmerksamkeit schenke. Doch bei einer Sache könnt ihr sicher sein! ich bewundere jeden einzelnen von Euch! Und das schreibe ich trotz Rechtschreibreform jetzt mal GROSS! ❤

From Home to Home

Jedesmal wenn ich zuhause in Hamburg bin, erlebe ich es neu. So soll doch eine wahre Liebe sein! Zurück im All-Tag, morgen habe ich eine neue Saison-Liebe für euch! ❤

Wenn Patch nicht workt

Beim Patchwork, auch Flickenwerk genannt, werden kleine oder größere Stücke aus Soff, Leder, Filz, Pelz, Gewebe aus Seide, Leinen und ähnlichem zu einer größeren Fläche aneinander oder aufeinander zusammengenäht. Ob sie wirklich zusammenpassen oder wollen, können sie nicht äußern, das entscheidet der Patchworker.

Da mittlerweile fast jedes zweite Ehepaar geschieden wird und oftmals Kinder beteiligt sind, kommt nunmehr immer mehr die Patchworkfamilie in Mode. Zwei völlig fremde Familen flickt und schustert man zusammen, denn wat mutt, dat mutt. Wohnt man nah beieinander, werden im Wechselmodell wöchentlich die Kinder ausgetauscht, Stief- und leibliche Kinder verstehen sich, spielen zusammen Ball und gucken abends zusammengekuschelt Sandmännchen. Man trifft sich am Wochenende zum gemeinsamen Grillen und Ex-Mann und neuer Freund schlabbern gemeinsam ein Bierchen, während Ex-Frau und Freundin bei einem Prosecco Rezepte tauschen.

So, oder so ähnlich habe ich mir das vorgestellt. Ich habe es jedenfalls für alle Beteiligten gehofft. Ich würde davon allerdings niemals betroffen sein, denn mein Mann und ich würden mit 70 noch zusammen sein und hädchenhaltend auf einer Parkbank sitzen und unseren Enkel beim Spielen zuschauen. Genau so würde es sein.

Doch dann war plötzlich alles ganz anders. Mein Mann war plötzlich nicht mehr mein Mann und ich fragte mich, ob ich auch irgendwann mit ihm durch die Fußgängerzone gehen würde, um ihn dafür fertig zu machen, dass ich mein halbes Leben lang unglücklich gewesen bin. Würde ich ihm morgens in den Kaffee spucken und meine einzige, verbliebene Freude wäre es, ihm zuzuschauen, wie er ihn trinkt?

Dann verliebte ich mich, keine Affäre oder Liebelei. Ich verliebte mich in einen Menschen, der all das in mir sehen konnte, was ich selbst nicht mehr sah. Was danach folgte, war weder Patch noch work, es war nur Hope for Staying Alive. Kampf, Hass, Trauer, Vorwürfe, ein Ziehen und Hacken in jede Richtung, die wehtut und dabei waren Kinder, die man mit allen Mitteln von diesem sinkenden Familienschiff zu retten versuchte. Oftmals saß ich weinend im Schrank, damit meine Kinder nicht davon wach wurden. Keine Zeit zu trauern, denn sie beobachten dich. Wenn Mami jetzt nicht funktioniert oder einbricht in ihrer Angst und den Gefühlen, zieht sie die Kleinen mit sich. Weiter, weiter, bloß nicht nachdenken und wie soll man da die neue Liebe kosten und frei zusammenwachsen? Gefühlt oftmals völlig aussichtslos.

Doch wenn du fühlst, dass es sich lohnt, stehst du wieder auf, gehst weiter um erneut zu fallen, bleibst schon etwas länger stehen, hörst wieder Lachen und ein freies Atmen, wirst geschubst und fängst manchmal noch an zu treten. Doch ganz zum Schluss, nach sehr viel Zeit, hast du es geschafft, die Nähte halten und die Flicken passen wie von Zauberhand zusammen und endlich workt das Patch! Immer? Nein, nicht immer! ❤

© Sunny Möller

Zur Info

Stieffamilie (ahd. stiof-, ‚hinterblieben‘, ‚verwaist‘) ist eine Familie, bei der mindestens ein Elternteil ein Kind aus einer früheren Beziehung in die neue Familie miteingebracht hat. Im Rahmen der soziokulturellen Veränderungen der Lebensformen wurden gegen Ende des 20. Jahrhunderts auch nichteheliche Lebensgemeinschaften und Familien mit Pflegekindern in der soziologischen Literatur unter diesen Begriff gefasst.

Eine alternative Bezeichnung für diese moderne Definition ist Patchworkfamilie[4] (engl. patchwork, ‚Flick-‘, ‚Stückwerk‘) bzw., vollständig aus dem Englischen übernommen, Patchwork-Family.

Begriffsursprung:

von stief, mit der ursprünglichen Bedeutung: beraubt, verwaist

© Wikipedia, Duden

Kein Respekt vor dem Alter…

Ich habe Respekt vor Menschen und wenn sich jemand wie ein Arschloch benimmt, dann ist mir das Alter so ziemlich egal. „Sunny, wie kannst du so denken? Älteren Menschen sollte man immer den nötigen Respekt entgegen bringen!“ Warum? Weil er alt ist und nur noch ein paar Jahre hat? Was bezeichnen wir als den nötigen Respekt? Dass ich ignoriere, wenn sich ein älterer Mensch total daneben benimmt? Dieses Geschäft ist mit mir nicht zu machen. Wo wir in diesem Zusammenhang auch gleich zum Thema Ehe kommen. „Ihr jungen Leute steckt viel zu schnell den Kopf in den Sand und trennt euch gleich. Wir haben früher noch zusammengehalten! Da ist man nicht gleich weggelaufen!“ Ich halte auch nichts davon, bei jeder Kleinigkeit die Flucht zu ergreifen, aber ich halte ebenso wenig davon in einem Leben stecken zu bleiben, was mich zutiefst unglücklich macht. Heute zum Beispiel traf ein solches Durchhaltepärchen, wie ihr sie bestimmt alle schon einmal erlebt habt. Beim Einkaufen, in der U-Bahn, im Café oder in der Fußgängerzone irgendeiner Stadt.

Er:“Nun geh doch mal etwas schneller. Dauernd bleibst du stehen und guckst dir diesen Blödsinn in den Schaufenstern an.“

Sie:“Für mich ist das aber kein Blödsinn. Ich liebe unsere Einkaufsbummel durch die Stadt.“

Er:“Ja, ja und der Alte kann zahlen für irgendwelchen Tinnef, den niemand haben will.“

Sie:“Mir macht es aber Freude!“

Er: „Und mir macht es Freude, wenn du mal wieder Sauerbraten machst!“

Sie:“Davon musst du ständig furzen!“

Er:“Da brauch ich dich nur anzugucken, davon krieg ich auch schon Blähungen!“

Sie:“Warum sagst du denn sowas? Du verdirbst mir den ganzen Ausflug!“

Er:“Und du verdirbst mir mein ganzes restliches Leben!“

Sie:“Ich mach dir ja deinen Sauerbraten!“

Er:“Geht doch. Dann kauf dir eben noch so einen bescheuerten Kerzenhalter!“

Sie:“Wir müssen noch zur Drogerie, deine Windeln sind alle!“

Er:“Tena Men heißen die! Kannst du vielleicht noch lauter reden?“

Sie:“Tena Men, Tena Men, Windel bleibt Windel und ich hab keine Lust immer deine voll gestrullten Schlüpfer zu waschen!“

Er:“Können wir jetzt zum Schlachter?“

Respekt vorm Alter? Das Alter hat auch nicht immer Respekt vor uns und wir nicht füreinander. Dafür bin ich, denn Respekt ist alterslos!

© Sunny Möller