Zeit

dandelion

Beppo liebte diese Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, es war eine sehr notwendige Arbeit.
Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig:
Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich.
Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter:

Schritt – Atemzug – Besenstrich.

Während er sich so dahinbewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die saubere, kamen ihm oft große Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte, Gedanken, die sich so schwer mitteilen ließen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade eben noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man geträumt hat. Nach der Arbeit, wenn er bei Momo saß, erklärte er ihr seine großen Gedanken. Und da sie auf ihre besondere Art zuhörte, löste sich seine Zunge, und er fand die richtigen Worte.

„Siehst du, Momo“, sagte er dann zum Beispiel, „es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.“ Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort:

„Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“

Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter:

„Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“

Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte:

„Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort:
„Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.“

Er nickte vor sich hin und sagte abschließend:

„Das ist wichtig.“

(aus dem Buch „Momo“ von M. Ende)

 

Bild: fotolia

Schokolacka Hüfty Hüfty

fullsizerender-3

Da ich mich momentan in meine Schreibhöhle verkrochen habe und nichts mehr geht außer tippen und essen, kam mir dieser Kuchen oder soll ich lieber sagen, dieses Teufelswerk der Backkunst gerade recht. Ich muss dazu sagen, dass ich in einer Hausgemeinschaft lebe, die schon fast an eine Kommune erinnert. Nur ohne Sex. 🙂 Man kümmert sich, man überrascht und tratscht, weint und lacht, sinniert, feiert und trinkt, passt auf und schimpft. Großartig und inspirierend. Dieser Kuchen ist so ein Nachbarschafts-Goody von der wunderbaren Claudia Thimm, bei der leider nie etwas an der Hüfte kleben bleibt. Backt ihn, genießt ihn und pfeift auf jede Kalorie! Oder wie meine liebe Freundin Tabea weise sagte:“Ich nehme zwei, dann verteilt es sich gleichmäßig auf die Hüften!“

Schokolacka Hüfty Hüfty

Für den bösen Teig
250g Butter oder Margarine
250g brauner Zucker
5-6 Eier
200g gem. Mandeln
100g Mehl
3/4P. Backpulver
1 Essl. Rohkakao
1 Schluck Rum (Mundmaß ja, schlucken nein)

Butter oder Margarine mit Zucker verrühren bis sich eine kalorienfreudige Masse ergibt. Danach die Eigelbe ins Fett-Zucker Gemisch eintauchen lassen, bis sie sich restlos vereinigt haben. Anschließend die Mandeln, das Mehl, den Kakao,den Rum und das Backpulver wie einen Saharasturm unter die cremige Masse montieren. Stop! Ich glaube da fehlt noch ein Augenzwinkern Salz. Zum Schluss verwandelt ihr die Eier noch in ein Schneegestöber und dann Köpper in die Schokopracht. Bei 170° heißvonbeidenSeiten 50 Minuten backen. Nach dem Auskühlen in der Mitte durchschneiden und mit geschlagener Sahne (Menge variabel) füllen.

Für die noch bösere Glasur

200g Blockschokolade
50g Kokosfett
evtl. ein Schuss Sahne (da kommt es ja nun auch nicht mehr drauf an…)

Im Wasserbad schmelzen lassen und den Kuchen damit verkleiden…als ob er es nötig hätte! ❤

Kennertipp: Genießen und anschließend platzen!(Zitat C. Thimm)

(c) Sunny Möller