Relativ groß

Relativ groß

Die Welt ist zu groß für dich,
die Sterne zu weit für dich,
die Berge zu hoch für dich,
die Schluchten zu tief für dich,
die andern zu schnell für dich,

Sand, so klein, füllt die Strände der Welt für mich,
Sterne, trotz der Entfernung, sind greifbar für mich,
Berge kann ich erklimmen für mich,
ich kann fallen und aufstehen für mich,
das Ganze, in der richtigen Zeit für mich.

Warum keine Furcht vor dem kleinsten,
unspürbar, unscheinbar und leise,
dringt es zu dir, in einer Weise,
siehst es nicht kommen, ist einfach da.
Lernst das Aufschauen, von oben herab,
siehst endlich das Kleinste, relativ groß.

© Sunny Möller

Im Kopf einer Autorin

Immer und immer wieder! 🙂

Sunny Moeller

Es ist viel los im ersten Stock. Da rennen sie wieder hin und her mit irgendwelchen Zetteln, der Szenenwechsel läuft dauernd gegen die Wand. „Hey, hat einer die Inspiration gesehen?“ Leises Getuschel, zaghaftes Gelächter. Der laute Gedanke brüllt: “Die knutscht draußen mit der Idee!“ Die Einfälle verstecken sich hinter der Grammatik. „Wie bitte?“ Der Roman tobt.

„Die Lyrik hat gerade gekündigt, weil sie ein Verhältnis mit dem Ausdruck hat und jetzt das? Die Belletristik steht schon vor der Tür und alles was wir haben ist eine ideenberauschte Inspiration?“ Die Absätze versuchen den Roman zu besänftigen. „Die ersten 5 Kapitel sind doch schon auf dem Weg nach unten und der Titel wird Madame Belletristik schon beruhigen.“ Der rote Faden brachte Wein.

© Sunny Möller

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Für die Minute

Musst was schreiben,
was ist richtig, was ist wichtig,
bewegt die Welt, verändert die Zeit,
große Worte in kleinen Lettern,
verpackt, geschmückt und verziert.
Nur weiter, werde politisch, kritisch,
satirisch, empirisch bereit,
ein Wein, rot, in meiner Hand,
am Rand, eine Kerze, ihr Schein,
bewegt keine Welt, ist auch nicht wichtig,
oder kritisch, geschmückt, politisch verziert.
Doch für den Moment richtig, für das Gefühl
In dieser Minute bereit.

© Sunny Möller