Von Porsche- und Barbiegenen…

Ich habe irgendwann, vor gefühlten hundert Jahren gelesen, Jungs kommen mit dem Porsche-, Mädchen mit dem Barbie-Gen auf die Welt. Ist das so? Setzt die Evolution auf natürlichem Wege die Rollenbilder fest? Oder schraubt eine Männer dominierende Welt am geschlechtsspezifischen Lebensweg herum?

Immer wieder unterhalte ich mich mit Freundinnen, Frauen, oder lese in einschlägigen Magazinen: „Die emanzipierte Frau von heute! Der Balanceakt zwischen Familie und Karriere!“

Bleibt frau nach der Geburt eines Kindes erst einmal zu Hause, wird sie anrüchig beäugt und schnell als das „Heimchen am Herd“ betitelt. Steckt sie ihr Kind nach sechs Wochen in die Ganztagesbetreuung, verpasst man ihr den Stempel „Rabenmutter“. In diesem Zusammenhang auch interessant zu bemerken, dass es den Titel Rabenvater gar nicht zu geben scheint. Wie sie es macht, sie macht es falsch. Und läuft eigentlich permanent mit einem schlechten Gewissen durch die Gegend. Werde ich allen gerecht? Vor allem meinem Kind?

Der männliche Part der Familie kommt dabei generell glänzend davon. Erstens erwartet, selbst in Zeiten der männlichen Elternzeit, niemand, dass die Väter zu Hause bleiben. Tun sie es doch werden sie als heroische Vorbilder gefeiert. Leben sie weiter wie bisher, inklusive Fußballgucken mit den Kumpels, käme nicht einmal ein Großteil der Frauen darauf zu sagen: „Was bist du nur für ein egoistisches Arschloch!“

Als ich letzte Woche mit meiner Tochter im Park war, kam uns ein kleines Mädchen mit Puppenwagen entgegen. Sie hatte alles dabei, Wickeltasche, Fläschchen, Tragetuch, Windeln, alles, was eine vorbildliche Mutti so benötigt. Die dazugehörige Echt-Mutter sagte zu ihr: “Gleich machen wir eine kleine Pause, Marie. Dann kannst du dein Baby füttern!“ Parallel dazu besprach sie am Telefon ein bevorstehendes Meeting. Ist das unser Problem? Wachsen wir schon mit diesem Gewissenskonflikt auf?

Männern wird nachgesagt, dass sie den Jungen in sich nie ganz ablegen. Warum ist das so? Weil sich nicht wirklich etwas in ihrem Leben ändert. Nachdem sie den labenden Busen ihrer Mutter verlassen haben, geht es los. Mit Bauklötzen, Autos, Fußball und Größenvergleich, in jeglicher Hinsicht. Daran ändert sich auch nicht viel im Erwachsenenalter. Obwohl man bei einigen hin und wieder das Gefühl haben könnte, sie möchten doch noch mal zurück an Mamas Brust.

Und was ist mit uns? Wir bekommen Babypuppen, Barbies und Schminkköpfe. Wir lernen spielend uns zu kümmern, uns hübsch zu machen und nett zu sein. Und wenn wir erwachsen sind? Plötzlich sollen wir unseren „Mann“ stehen. Ellbogen einsetzen, uns durchsetzen, Zähne zeigen. Als Frau ohne Job, „nur“ Hausfrau und Mutter zu sein, wird selbst im eigenen Lager heruntergetreten. Das war nur als kleines Mädchen niedlich, wie hätten sie uns auch angeschaut, mit einem Spielzeugwochenplaner in der Hand? Nur keine Kinder zu bekommen ist leider auch keine Lösung, denn wer will schon ein karrieregeiles Mannsweib sein?

Vielleicht sollte man diese speziellen Bilder der Emanzipation einfach mal in die Tonne treten und das tun, was glücklich macht!

(c) Sunny Möller

P.S.: Setzt euch wieder hin! Ja, es gibt Ausnahmen! Ja, es gibt auch Jungs, die mit Puppen spielen und Mädchen mit Autos, bla, bla, blub! Ändert oftmals trotzdem nichts am Gesamtbild! ;*

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4 Gedanken zu “Von Porsche- und Barbiegenen…

  1. lebensschnipsel schreibt:

    In anderen Ländern werden Frauen nicht schief angeguckt, wenn sie ihr Kind in die Kita geben und arbeiten gehen. Nur in Deutschland hält sich dieses wackere Bild der Rabenmutter. Unsere Familienpolitik und unser gesellschaftliches Denken diesbezüglichen lassen doch sehr zu wünschen übrig.
    Meine Mutter schenkte übrigens sowohl meinen Brüdern als auch mir jeweils eine Puppe und ein Auto. Womit wir spielen wollten, durften wir selbst wählen. Wir spielten zwar ganz rollentypisch mit den jeweiligen Dingen, durften uns aber frei entscheiden. Meine Mutter wollte uns nicht von Vornherein auf eine bestimmte Rolle festnageln.

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  2. care steen schreibt:

    tja, in anderen Ländern wird sofort nach dem Muschu wieder gearbeitet, die Kinder „entfremdet“ , auch dort wird über alles mögliche geklagt. Jede/r Frau/Mann sollte das Recht und die Traute haben, sein Leben und seine Familie so zu gestalten, wie es gut für sie/ihn ist- in der Hoffnung , der entsprechende Partner ist dabei 🙂 Ich habe das ungeheure Glück, zuhause als „Glucke/ Heimchen“ zu bleiben und dabei auch noch arbeiten zu können. Hat aber auch etwas mit meiner Erziehung zu tun. Denn meine Mutter hatte schon ( damals musste ja der Ehemann das ja noch gestatten) in den Siebzigernselbständig gearbeitet…( Haben wir ein Glück?! Wir können es selbst entscheiden!) Mehr oder weniger. Der Druck der uns nahen umgebenden Gesellschaft ist oft zermürbend. Mein Sohn hatte zwar Puppen , hatte aber von Anfang an das „Bagger“ -Gen ( gefühlt war das sein erstes Wort!) LG K

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