Schweden goes „Tool-Times“

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Es sollte das perfekte, ruhige, kinderfreie Wochenende werden. Viel lesen, noch mehr schreiben und ganz viel Seele baumeln lassen. Doch die Vorfreude lies mich nicht die unheilvollen Vorzeichen erkennen.

Eigentlich begann alles am Donnerstag, in einem, von mir bevorzugten, skandinavischen Möbelhaus. Zur Einrichtung meines Arbeitszimmers fehlte noch ein landhausdurchtränktes Tagesbettgestell, welches mir Sinn suchend, in allen Kreativpausen, zur Seite stehen sollte.

Ich folgte den Pfeilen in der Markthalle. „Regal 31, Fach 23! Regal 23, Fach 31! Regal 13, Fach 32!“ Als ich endlich ankam, hatte sich auf meinem Wagen schon ein lustiges Potpourri an lebensnotwendigen Kleinigkeiten versammelt. Kerzen, Apfelschneider, Untersetzer, Bilderrahmen, Dessertschälchen, Orchidee im Angebot, Körbe für Körbe, in die man Körbe stellen konnte, Handtuchhaken, Milchaufschäumer, Batterien…..Frau ist nicht in der Lage, ohne was die Markthalle zu verlassen. Unmöglich!

Nach drei Anläufen durch verschiedene Möbelstraßen, stand ich endlich vor dem Produkt meiner Wahl. Als ich versuchte, die drei Selbstabholerpakete aus den Regalen zu ziehen, stieß ich auf Gegenwehr. Nummer 1, mit 60 Kilo wollte sich nicht mit dem Transport zum Einkaufswagen anfreunden. Ich zog, der Wagen fuhr. Weg vom Paket. Helfende Hände eines kompetenten Mitarbeiters waren außer Reichweite. Aber solche Momente machen erfinderisch. Dank Yoga und langen Beinen, holte ich den Wagen mit dem linken Fuß heran, um mit dem übrig gebliebenen Bein und zwei Händen, die Rückwände der Kreativpritsche hinüber zu wuchten. Dass ich mit einem Fuß in den Wagengitterstäben hängen blieb und ihn dabei unappetitlich verdrehte, sei hier nur nebenbei erwähnt. Beim Humpeln in Richtung Kasse, fuhr mir zusätzlich noch eine hyperaktive Reiswaffelmutter in die Hacken, mit den Worten: „Was fahren Sie auch so schief!“

Doch ich schaffte es. Ich schaffte es, die zwei Meter Pakete in einen Renault Twingo, mit ausgebauten Rücksitzen, nach Hause zu bringen. Die Heckklappe mit Springseil am Möbel befestigt und die Überlänge mit einem roten Schlüpfer markiert. Ich hatte das ganze Wochenende Zeit mit dem Aufbau, in Ruhe, alleine….

…..dann kamen die Kinder….

Ich wollte die Pakete ja verstecken, Luke und Emma-Lilu nach dem Wochenende überraschen. Tattaaaahhhh, die Mami kann zaubern. Aber wie versteckt man Dinge in dieser Größenordnung? Kinder sind bei Paketen wie Trüffelschweine. Egal wie klein und gut versteckt, nach zwei Minuten hörst du: „Schau Mami, was die Emma-Lilu gefindet hat!“ Luke hatte zwischenzeitlich schon den Akkuschrauber organisiert, ließ ihn aufheulen, mit Worten, die wie eine Drohung klangen: „Ich schaffe das, Mama! Ich bau dir das mal schnell zusammen!“

Es gab kein Zurück. Ich wollte eine gute Mutter sein. Meine Kinder zu selbstständigen Menschen erziehen. Sie sollten verstehen lernen, sich selbst ausprobieren, Selbstvertrauen gewinnen. Warum nicht beim gemeinsamen Bettaufbau?

Luke hatte die Schraubentüte aufgerissen und Emmas Hände bewegten sich in Richtung Öffnung….

Eine Stunde später überlegte ich, ob es der modernen Erziehung schaden könnte, wenn ich schon am frühen Nachmittag anfangen würde zu trinken.

Emma hatte sich einige Schrauben in Nase und Ohren gesteckt, tanzte und fing laut an zu singen. „Ich bin die Eisenprinzessin und hab meine Nase geschraubt…..und schaut mal die Ohrennnnnn, sind auch schon vereiiissssstttttt!“

Mit Seitenblick auf meine Tochter, hatte ich die Schubladenleichtlaufschienen verkehrt rum angeschraubt und die Schraubendrehschlitze dermaßen ausgeleiert, dass sie weder vor noch zurück wollten. Luke drückte mich zur Seite, bewaffnet mit Zange und Säge seines Kinderwerkzeugkastens. „Geh mal kurz weg, ich regel das schon!“ Emma von hinten: „Ich habe eine Schraube gegesst und die war sehr leckaaa!!!!!“ Sie zum Erbrechen zu bewegen war aussichtslos, Besitzansprüche einer Schraubenprinzessin…Der Spruch meiner Oma „was oben reinkommt, kommt unten wieder raus“, beruhigte mich etwas. Doch es war höchste Zeit die „Tool-Times-Session“ zu beenden.

Ich würde morgen weitermachen. In Ruhe, Brett für Brett, Sekt für Sekt.

© Sunny Möller

Männer und Würste…..

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Männer und Würste

Seit einiger Zeit bin ich weg vom Auto und hin zur Bahn. Ein guter Tausch, wie ich immer wieder feststellen muss. Ich kann Leute beobachten, Gespräche auffangen und lesen. Ein Genuss, der mir beim Auto fahren eher selten zuteil wurde.

Vor jeder Fahrt kaufe ich mir eine Zeitung, die ich samt Impressum bis zur Ankunft aufsauge. Obwohl ich in der Wahl meines Lesestoffs ziemlich festgelegt bin, zwang ich mich beim letzten Mal, die Offerten des typischen weiblichen Lesestoffs mal mit dem männlichen zu vergleichen. Und musste mich im Zuge der immer hochgehaltenen Emanzipation doch wundern, was der printmediale Markt so her gibt. Neben den typischen Yellow-Reißern wie „Gala“ und „Bunte“, finden sich neben „Landhauszauber“ und Kochzeitschriften, auch Fitness-Ratgeber und Elternzeitschriften unterschiedlicher Couleur. „Eltern“ für die Spießer, „Nido“ für die hippen Antieltern. Beim Durchblättern der neuen „Für Sie“ , gab es nach 5 Doppelseiten Frühlingstorten postwendend die „Drei-Kilo-weniger-in-drei-Minuten-Diät“ plus Werbung für das passende Abführmittel. Erst fressen, dann fasten. Nach „wie verführe ich einen Mann“ und „raffinierte Hosen für fette Schenkel“ wendete ich mich zum Männerregal. Emanzipation schien es wohl doch nur bei „Emma“ zu geben.

Ich weiß gar nicht, wann es angefangen hat, die Geschichte mit den Männerzeitschriften. Zunehmende Metrosexualität? Emanzipation des Mannes? Egal ob „FHM“ oder „Men´s  Health“, alles läuft zielgerichtet auf geil, geiler, Sixpack hinaus. Von Diäten wird wenig geredet, mehr dafür über Muskelaufbau und den Businessplan fürs Leben. Zur Entspannung wird den gestressten Supermännern Gott sei Dank noch etwas im Playboy geliefert. Busen gegen Bauch. Plötzlich blieb mein Blick neben dem Monatspreisbusen hängen.

„Beef!“ Für Männer mit Geschmack. Die etwas andere Art der Fleischeslust. Auf dem Cover stramme Würstchen, im wahrsten Sinne des Wortes. Titelthema Nummer 1 „Werden Sie zum König der Würste“, die Schritt für Schritt Anleitung zum Selberwursten. Außerdem noch eine Reifeprüfung zum Probieren von 25 wahnsinnigen Käsesorten, die mann gegessen haben muss. Leider hatte ich keine Zeit mehr, mich in das 9,50 Euro Heft einzuarbeiten. Auf dem Weg zum Zug ließ mich das Wurstthema nicht mehr los. Welcher Mann könnte sich fürs Selberwursten interessieren? Was für Därme würde er verwenden? Die, aus selbst erlegten Tieren? Raus mit dem Darm, rein mit der Wurst? Würden sie irgendwelche High-Tech-Maschinen à la „Das perfekte Dinner“ verwenden, oder stopft mann noch per Hand? Und was fühlt er wohl dabei? Verarbeitung eines sexuellen Fetisch, oder verwurstet er imaginär seine Liebste ohne sich dabei strafbar zu machen? Oder vielleicht, nur ganz banal gedacht, will mann die Keule wieder haben?

© Sunny Möller