Telefongesellschaften und kleine Männchen

Ich bin momentan einer ziemlich heißen Sache auf der Spur! Ich glaube, Psychiater und Telefongesellschaften haben so etwas wie einen Kooperationsvertrag. Denn es reicht nur ein Gespräch mit einem dieser frohlockenden Anbieter und man ist reif für die Klapse.

„Sehr geehrte Frau Möller, wir freuen uns, sie bei UTU begrüßen zu dürfen. Ihr ´Mega-superfun-special-hero-double-light-easy´ Flatpaket wird am 01. Oktober frei geschaltet. Bei Fragen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Erwin Lange

Seitdem Funkstille. Ich bin ohne Kontakt zur Außenwelt. Morsen hatte ich nie gelernt und bei Rauchzeichen hetzen sie mir gleich das Ordnungsamt auf den Hals. Ich musste die Telefongesellschaft anrufen. Saurer Ekel stieg in mir hoch. Mit Mühe wählte ich die Service-Nummer.

Wie lange tutete das jetzt schon? Ah, jetzt ging jemand ran, vielleicht Herr Lange? Nein, eine sympathische Frauenstimme vom Band.

„Willkommen bei der Helpline von UTU, deinem sympathischen Telefonanbieter. Wenn du Fragen zu deiner Rechnung hast drücke bitte die eins, hast du Fragen zu speziellen Angeboten drücke bitte die zwei, hast Du Fragen zu deinen laufenden Verträgen drücke bitte die drei, brauchst du eine Kotztüte, drücke bitte umgehend die vier!“

Ich drückte die drei.

„Bitte sprich deine 12stellige Kundenummer jetzt aufs Band und bestätige sie mit der Rautetaste.“

Oh Gott, das konnte ja ewig dauern.

„2-8-4-6-3-9-2-7-4-3-6-0“.

Ich drückte die Rautetaste. Die freundliche Dame antwortete prompt.

„Entschuldigung, ich habe Sie nicht verstanden! Bitte wiederholen Sie Ihre Kundennummer oder geben Sie Sie auf dem Wählfeld ein. Anschließend drücken Sie bitte die Rautetaste!“

Nach drei gescheiterten Versuchen klappte es schließlich, aber es pochte schon etwas in der linken Schläfenhälfte.

„Ist ihre Kundennummer „2-8-4-6-3-9-2-7-4-3-6-0“, so antworten sie bitte mit ´ja´!“

Komisch, eben hatte sie mich doch noch geduzt. Waren sie jetzt keine Freunde mehr? Ich antwortete laut:

„Ja!“

„Entschuldigung, ich konnte ihre Antwort nicht verstehen! Bitte wiederholen sie ihre Antwort!“

Pochen auf beiden Seiten!

„Jaahhaaa, du dreckiges, Pocken bedecktes Mistdrecksluder!“

Ich schrie fast in den Hörer. Es knackte in der Leitung. Wahrscheinlich hatte die Bandfrau gerade einen Hörsturz erlitten. Doch nicht, sie fing wieder an zu sprechen.

„Herzlich willkommen Frau Möller! Leider sind alle unsere Leitungen belegt. Der nächste freie Mitarbeiter steht jedoch in Kürze für Sie bereit!“

Dann ertönte eine säuselige Pausenmusik. Drei Minuten später:

„Bitte gedulden sie sich noch einen kurzen Moment, der nächste freie Mitarbeiter ist sofort für Sie da!“

Pausenmusik.

Zehn Minuten und vier Pausenlieder später dachte ich darüber nach, was UTU unter einem kurzen Moment und sofort denn so verstanden? Vielleicht würde ich nie wieder einen Telefonanschluß kriegen? Man würde mich irgendwann tot in der Wohnung finden, wenn ich bei der nächsten Mandelentzündung den Notarzt nicht kontaktieren konnte. Mit der Identifikation hätten sie ihre Schwierigkeiten, denn mein Gesicht wäre madenzerfressen. In der meiner zerwurmten Hand, ein vergilbter Brief der Telefongesellschaft, die es schon nicht mehr gab…..

Wieder kam ein neues Pausenlied. Die Dame, die mir den nächsten freien Mitarbeiter versprochen hatte, meldete sich überhaupt nicht mehr. Das Lied war unverschämt….

The Beautiful South „Song for whoever“

Jetzt war ich echt sauer. I forget your name? Bei dem Lied war ich das erste Mal richtig verliebt gewesen und der Typ hatte mich wegen eines fehlenden D-Körbchens abserviert. Na warte Erwin Lange, wenn ich dich gleich in der Leitung habe.

…………………………………………………………………

Ich legte den Hörer auf. Es war einfach nicht zu fassen. Ich hatte 20 Minuten mit einer Frau Möller von UTU gesprochen, einen Erwin Lange, der immer zur Verfügung stand, kannte diese Dame überhaupt nicht. Und was war dabei herausgekommen? Gar nichts! Und Telefongesellschaften können sensationell nett, gar nichts tun!

„Frau Möller, jetzt beruhigen sie sich doch erst einmal. Wir finden bestimmt eine Lösung für ihr Problem. Dafür ist UTU doch da. Erwin Lange? Nein, tut mir leid, den kenne ich nicht. Geben sie mir doch noch einmal ihre Vertragsnummer, dann haben wir schwuppsdiwupps das Problemchen gelöst, liebe Frau Möller! Wo wir doch schon den gleichen Namen haben. Das hat was zu bedeuten!“

Ja Trulla, ähnlich viel, als wenn ich Schmidt oder Meier heißen würde. Ich versuchte, mich zu beruhigen. Ich war einfach zu lange in dieser Warteschleife gewesen. Mittlerweile hatte ich schon eine Flasche Prosecco leer, während ich versuchte, einhändig die zweite zu öffnen. Ganz ruhig Sunny. Mach jetzt keinen Stress, leg deine ´Ich-bin-aber-sowas-von-freundlich-Stimme´ in den Rekorder und sei nett zu der hilfsbereiten Dame!

„2-8-4-6-3-9-2-7-4-3-6-0!“

„Hach Frau Möller, das ist nur ihre Kundennummer, die Vertragsnummer steht oben rechts unter ihrem Vorteils-Code!“

Ich hatte einen Vorteils-Code? Warum hatte man mir davon denn gar nichts gesagt? Was wohl dieser Vorteils-Code sein sollte? Vorteil für was? Umgehung der Warteschleife, Privataudienz beim ominösen Herrn Lange, einen Call-Center-Agent abknallen straffrei?

„Frau Möller?“

„Ja, ja, ich hab´s schon. 123-67-BB!“

„Dankeschön! So, dann schauen wir uns das mal an. Hm, ach so, ja. Den Vertrag bei B-net haben sie bis zum Ende des Monats gekündigt und sind dann ab dem Ersten bei uns unter Vertrag, sowohl mit ihrem Handy als auch mit dem Festnetz. Das ist doch wunderbar.“

Jetzt platzte mir der Kragen. Ich fing dümmlich irre an zu kichern. Nein, Sunny, nein, denk immer an deine ´Ich-bin-sowas-von-freundlich-Stimme´ und bleib ganz ruhig. Du willst, dass die Tante heute dein Telefon frei schaltet, also reiß dich zusammen!`

Es war zu spät. Das Männchen war aufgewacht. Dieses kleine Männchen lebte in meinem Kopf und rannte wie verrückt hin und her und hopste auf und ab. Das war schon immer so gewesen, seit ich ein kleines Mädchen war. Es hatte mich immer wieder in Schwierigkeiten gebracht. Ich versuchte mich zu erinnern, wann es das erste Mal aufgetaucht war. Ich glaube ich war sechs und mit meiner Mama beim Einkaufen gewesen. Auf dem Weg zum Supermarkt kamen wir immer an einem großen Spielzeuggeschäft vorbei. ,Siggi Sagers Spielzeugwelt´, den Namen würde ich nie vergessen. Die Schaufenster waren immer wunderschön dekoriert, nicht so wie heute, wo einfach irgendwelche Kisten mit Plastikmist übereinander gestapelt wurden. Herr Sager hatte damals eine große Barbiewelt aufgebaut. Ein großes Zirkuszelt, Wohnwagen, Tiere, Clowns und eine Zigeunerbarbie. Vom ersten Moment an, war ich von ihr hingerissen gewesen. Sie war einfach anders als alle anderen Barbies. Sie war nicht blond, hatte ein verwegenes, freches Lachen und den kürzesten Rock von allen. Siggi Sager hatte sechs oder sieben Kens um sie postiert, die sie alle anhimmelten. Sie schenkten ihr Barbie-Blumen, Barbie-Katzen und Barbie-Schmuck. Ich wollte auch wie diese Zigeunerbarbie sein. Als ich meine Mutter damals fragte, ob ich die Barbie wohl haben dürfte, verdrehte sie die Augen.

„Sunny, wie oft willst du mich das eigentlich noch fragen? Dein Geburtstag ist erst in zwei Monaten, Weihnachten liegt auch noch in weiter Ferne. Und so einfach zwischendurch gibt es so ein teures Spielzeug nicht! Komm jetzt bitte weiter!“

Da war dann dieses Männchen das erste Mal aufgetaucht. Es meldete sich nicht vorher an, sondern war plötzlich in meinem Kopf und ließ sich auch nicht mehr rauswerfen. Ich hatte meine Mutter damals böse angefunkelt.

„Wenn ich die Barbie nicht kriege, halte ich die Luft an, bis du sie mir kaufst!“

Und dann hatte ich aufgehört zu atmen. Das Männchen fand, das sei eine gute Idee.

„Sandra, jetzt hör doch mit dem Unsinn auf. Du bekommst die Barbie nicht, da kannst du dich auf den Kopf stellen!“

Nicht atmen Sunny, nicht atmen! Das Männchen war damals schon unerbittlich gewesen. Meine Mutter wurde ungeduldig.

„Fräulein Bergfeld, atme jetzt vernünftig, sonst bekommen wir beide richtig Ärger. Es ist schon zehn vor sechs. Der Schlachter macht gleich zu!“

Ich atmete nicht.

„Mein Gott Kind, jetzt hol doch endlich Luft. Du wirst ja schon ganz blau! Herr Sager, kommen sie schnell raus, meine Tochter ist blau!“

Dann kippte ich um. Als ich wieder wach wurde, hielt meine Mutter meine Hand.

„Schätzchen, was machst du denn nur für Sachen. Ich habe mich zu Tode erschreckt!“

Als ich in meine andere Hand schaute, lächelte mich jemand frech an. Die Zigeunerbarbie. Von diesem Tag an, wohnte das Männchen bei mir. Hin und wieder war es zwar auf Reisen, aber es meldete sich doch regelmäßig. Manchmal häufiger, als es mir lieb war. Damals habe ich gedacht, dass sei so ein Kinderding, wie der besagte Mann im Ohr, oder einer dieser Phantasiefreunde. Aber er war bis heute nicht ausgezogen.

„Frau Möller, sind Sie noch dran?“

Da war sie wieder, meine Namensverwandte von UTU. Aber es war zu spät. Das Männchen hatte gewonnen.

„Jetzt hören Sie mir mal zu Frau Schwuppsdiwupps. Ich versuche Ihnen seit zwanzig Minuten zu erklären, dass Sie mir vor über drei Wochen die Leitung hätten frei schalten müssen. Ich kann nicht telefonieren und ich komme nicht ins Internet. Mein Handy liegt auch schon in der Pathologie. Ich spiele jetzt mal meinen Vorteils-Code aus und da wir ja sowieso verwandt sind, schalten Sie mir diese verdammte Leitung frei!“

Stille. Mist, vielleicht hätte ich das mit Frau Schwuppsdiwupps weglassen sollen. Das mit dem Männchen konnte ich Frau Möller nicht erzählen und schon gar nicht, dass ich mittlerweile mehr als angeschickert war. Frau Möller räusperte sich.

„Es tut mir wirklich sehr leid Frau Möller, aber B-net hat die Leitung erst zum nächsten Ersten freigegeben, da kann ich jetzt gar nichts machen. Aber das sind doch nur noch vier Wochen und dann kann sie jeder unter ihrer neuen Nummer erreichen.“

Welche neue Nummer? Hatte Frau Schwuppsdiwupps Möller gerade etwas von neuer Nummer gesagt?

„Was für eine neue Nummer?“

Sie hörte Frau Möller tief atmen. Sie hatte Angst!

„Na ja, Frau Möller, B-net hat ihre alten Nummern nicht freigegeben. Also haben sie ab dem ersten Dezember eine neue Festnetz- und Handynummer. Aber die Nummern sind ganz ähnlich, das wird doch toll!“

Das Männchen fing wieder an zu hüpfen.

„Wissen Sie was, stecken Sie sich ihren Vertrag doch schwuppsdiwupps in den Hintern, das wird doch toll, Sie blöde Kuh!“

Jetzt war alles vorbei. Frau Möller würde sie jetzt bestimmt nicht mehr in der Familie haben wollen.

„Hallo? Frau Möller?“

Langer Ton, kurze Überlegung. Irgendwo war noch eine Flasche Schnaps.

 

© Sunny Moeller

Von Stuten und dummen Puten!

Gespräch mit einer Freundin.

„Wie findest du eigentlich meine neuen Stiefel?“

Ein etwas teilnahmsloser Blick erwiderte meine Frage.

„Joah, sehen ganz schön aus!“

„Begeistert klingst du ja nicht gerade!“

„Na ja, für mich wären sie nichts!“

Ich war erstaunt. Die Stiefel waren der Hammer. Feinstes, weiches Leder und etwas höher geschnitten, der Trend diesen Winter. Normalerweise fing Kathrin an zu sabbern, wenn sie solches Beinwerk im Schaufenster sehen würde.

„Wieso das nicht? Du hast doch total tolle Beine!“

Kathrin lächelte mich würdevoll an.

„Da hast du Recht Sunny, aber mir wären sie, na, wie soll ich sagen, etwas zu nuttig. Wir sind ja jetzt auch nicht mehr zwanzig und n Keks! Aber du kannst das tragen, mach dir keinen Kopf!“

Auf dem Weg nach Hause musste ich über das Gespräch nachdenken. War ich der Typ für Nuttenstiefel? Immerhin hatten sie über 200 Euro gekostet und wurden nicht von einer Sicherheitsnadel zusammengehalten. Würde eine Freundin so etwas sagen? Sollte sie sich nicht mit mir freuen? Ich rief meinen besten Freund an. Schwul. Die perfekte Mischung aus Kerl und weiblichem Verständnis.

„Was war das da eben mit Kathrin, Knut? Sie findet die Stiefel für mein Alter zu nuttig!“

„Sorry Süße, aber naiv ist wirklich dein zweiter Vorname! Geh mal googeln und gib ´Stutenbissigkeit´ ein! Dann hast du deine Antwort. Ach, und Schnucki? Wenn eine diese Stiefel tragen kann, dann ja wohl du! Küsschen!!!“

Ich wünsche jeder Frau einen schwulen Mann, als beste Freundin! Komplimente bekommen, ohne Hintergedanken und niemals naschen wir am selben Buffet.

Stutenbissigkeit war mir ein vertrauter Begriff, aber unter Freundinnen? Ich googelte.

Stutenbissigkeit klingt archaisch und ist auf das Sozialverhalten von Pferden in ihrer Herdengemeinschaft zurückzuführen. Eine Frau kann einer Frau nur schwerlich ohne Skrupel offen eine Niederlage zufügen. Das verbietet der anerzogene Anstand, der weibliche Sozialcharakter und das „Nicht – verletzen“ sondern das zu den „Guten“ gehören wollen. Das wichtigste feministischen Paradigma der Solidarität käme ins Straucheln. Offene Auseinandersetzung mit einer anderen Frau ist auch wegen der vermeintlich hohen persönlichen Verletzungsgefahr zu riskant?

Möglichst unauffällig wird auf allen Ebenen mit strategischem Einfallsreichtum gegen die Konkurrentin gearbeitet. Verbündete werden gesucht. Erstaunlicherweise empfindet sich die Betroffene selbst dabei auch oft noch als Opfer. Männer hingegen würden ihren Gegner meist einfach durch Leistung übertrumpfen. Frauen reicht das selten; sie neigen dazu, die andere Frau auch als Person ausschalten zu wollen. Da das heimliche Ziel der Stutenbissigkeit unter Frauen jedoch uneingestanden und „undercover“ ist, werden möglichst viele Personen mit möglichst großem Einfluss versucht hinein zu ziehen.

Hinterhältig, intrigant, unter der Gürtellinie, brodelnde Gerüchteküche, neidisches und missgünstiges Verhalten, üble Absichten unterstellen, gute Ideen klauen oder das zumindest mal der anderer unterstellen, erbitterte Konkurrenz, Sticheln, Mobben, Verharmlosen, schonungsloses Bloßstellen, Missachten, Schweigen, Aussitzen, versteckte Aggressivität, schiefe Blicke und Anschuldigungen?

Wenn Stutenbissigkeit unter Frauen auftritt, handelt es sich oft um Frauen, die in irgendeiner Form mit angezogener Handbremse leben. Häufig handelt es sich auch um selbst auferlegte Verbote etc. Oft macht jedoch bereits das Äußere, Frauen zu Rivalinnen. Das kommt selbst bei intelligenten Frauen vor.

Stutenbissigkeit unter Frauen entsteht meist gleichzeitig auf der Ebene der Kompetenz und der Attraktivität. Hebt sich eine Frau irgendwie aus einer Gruppe von Frauen hervor, wird ihr die Zugehörigkeit im Club der Frauensolidarität gekündigt, Mobbing und Stutenbissigkeit unter Frauen setzen ein.

 (coaching-blog.info)

Hunderttausende, die betroffen sind und ebenso viele, die es vehement abstreiten würden.

„Ich bin doch nicht stutenbissig. Also, ich kenne solche Frauen, aber ich bin eher der Meinung, man muss auch gönnen können!“

Wie oft habe ich das schon gehört. Beißen tun angeblich immer nur die anderen. Ich überlegte, hatte ich mir schon ähnliche Rituale zu Eigen gemacht, um eine Rivalin aus dem Feld zu stechen?

NEIN!

Ich bin nicht neidisch auf den Erfolg anderer Frauen. Schon gar nicht auf den Erfolg meiner Freundinnen. Ich sehe es als Stück meines eigenen Erfolges, weil ich sie oftmals begleitet habe, mit ihnen gekämpft und gefiebert habe. Ich freue mich mit ihnen und leide genauso, wenn etwas schief geht. Das ist meine blauäugige Auffassung von Freundschaft!

Es gibt nur eine einzige Ausnahme. Sollte es jemand wagen, sich an meiner Beute zu schaffen zu machen, dann werde ich komisch. Hat aber weder mit Stuten noch Puten zu tun, da positioniere ich mich dann doch lieber in der Raubtierabteilung! Miauu!

 

© Sunny Moeller

Über das Denken….

Unter Denken werden alle Vorgänge zusammengefasst, die aus einer inneren Beschäftigung mit Vorstellungen, Erinnerungen und Begriffen eine Erkenntnis zu formen versuchen. Bewusst werden dabei meist nur die Endprodukte des Denkens, nicht die Denkprozesse, die sie hervorbringen. (Wiki)
Puuuhhhh Sunny, du denkst zu viel. Seit gestern beschäftigt mich diese Denkerei und seitdem denke ich nach, über das Denken. Denken Frauen wirklich anders als Männer? Und wenn Männer angeblich hauptsächlich mit dem Schwanz denken, hat der gute Einfälle? Und wenn ein Körperteil der Frau, außer dem Gehirn denken könnte, welcher wäre es? Der Bauch? Vielleicht das Herz? Oder begibt sich das weibliche Denkvermögen auch mal in untergeordnete Denkregionen? Macht man sich nicht manchmal das Leben etwas zu schwer, mit dieser Denkerei? Und wohin führen mich die ganzen Vorstellungen und Erkenntnisse? Ist es wirklich sinnvoll, Gedanken in die Länge zu ziehen, andere Gedanken an sie dran zu hängen um dann noch angestrengter darüber nachzudenken? Sollte man vielleicht manchmal, beim ersten Anflug eines Gedanken, ihn zum spontanen Handeln zwingen?
Ich denke, also bin ich. Und wenn ich einfach nur tue, was bin ich dann? Denk mal nach!
© Sunny Möller

Viel Lärm um Licht…..

Viel Lärm um Licht

Letzte Nacht wachte ich kurz auf und dachte, Lichtgestalten werfen lange Schatten. Darüber wirst du morgen schreiben.

So wachte ich auf und dachte nach, im Morgenlicht. Eine gute Antwort fand sich nicht im Gegenlicht. Von Feen war die Rede, von Fußballgöttern und Filmschaffenden, von Politikern und Ärzten ohne Grenzen. Vorbilder also, aber ab wann und wer, macht aus dem Vorbild ein Abbild gleißend, blendend?

Leider sah ich kein Licht am Ende des Tunnels und war von einem Lichtblick, Lichtjahre entfernt. Wie konnte es auch sein, dass meine Hirnverwaltung, plötzlich geprägt war von Lichtgestaltung? Dennoch, die Idee brannte weiter lichterloh und keiner blies mein Licht aus, machte den Lichtblitzen den Gar aus.

Sicher, die größte Leuchte war ich nicht, aber mein Licht unter den Scheffel stellen, würde ich  nicht.

Besser wurde es trotz allem nicht, denn aufgrund von Lichtmangel durch fehlende Lichtmenge, fehlte dauerhaft der Lichtstrahl am Horizont.

Not macht bekanntlich erfinderisch und so dachte ich kurz, alle hinters Licht zu führen und Schluss. Aber in welches Licht würde es mich rücken, wenn alle voller Entzücken sähen, wo meine Schattenseiten lagen? Und dann immer wieder diese Fragen, ob ich´s denn jetzt endlich wüsste, wann die Gestalt das Licht nun küsste. Um endlich Licht ins Dunkel zu bringen, versuchte ich im Abendlicht meine Lichtempfindlichkeit zu überwinden und dachte nach….

Konnten Lichtgestalten, Licht gestalten? Wo Licht ist, ist da immer Schatten? Muss nicht Licht auf Sache treffen, um Licht zu brechen? Gibt es die Antwort erst zum Schluss? Und kommt dann so ein Lichtgestalter, bestenfalls im hohen Alter, dann geh ich freudig mit ihm. Drehe mich noch einmal um und gebe dem verbleibenden Lichtfluss einen letzten, flüchtigen Luftkuss. Tauche ein in Wolken, in die kalten und denke nur…..verdammte Lichtgestalten!

 

© Sunny Möller

Die Geschichte einer Seife

In einem Anflug von Nostalgie traf ich die Entscheidung, beim Duschen mal zur guten alten „Stückseife“ zurückzukehren. Ein fataler Fehler, wie sich herausstellen sollte. Es fing eigentlich ganz gut an. Der Duft erinnerte an Kindertage, Bademäntel und Dalli Dalli. Ich dachte an meine Oma! Sie drückte Magnethalterungen in die Seife, um ihr am Waschbeckenrand Halt zu geben. Ich musste lächeln. Meine Oma. Nach dem Baden gab es immer Griesbrei mit Streuseln….die Seife machte schöne Gefühle..

Der Körper war nass, die Seife lag duftend weich in der Hand, allerdings nur für Sekunden, dann glitschte sie im hohen Bogen Richtung Wannenboden. Beim Versuch sie aufzuheben und wieder hochkommen tangierte mein Steiß die Armatur. AHHHHHHH!! Körper mittlerweile schon fast wieder im Trockenmodus! Zweiter Versuch. Seife in der Handfläche gleitet schäumend über Körperflächen, bei der Abfahrt zum Rücken ließ sie sich nicht mehr halten und suchte den Abhang, um rasant über den Po den Absprung zu wagen. Schweißausbrüche bei der Duschprotagonistin zum Einläuten des nächsten Einseifversuchs…….beim Verfolgen der Seifenspur verliere ich kurz die Orientierung, Seife im Auge, nicht am Körper……vorzeitiger Abbruch wegen unüberbrückbaren Differenzen……..Eigentlich war meine Oma ein ziemlicher Drachen! Und der Griesbrei hatte immer diese eklige Haut….. Gott schütze den Erfinder des Duschgels!

© Sunny Möller

Vom Doof finden….

„Mama, Bokkolli finde iß doof! Haare gewascht finde iß doof. ßäähne putzen finde iß total doof! Anziehen ißt doof! Schlafen gehen ißt ganz angedooft und aufgesteht ißt am gedööftesten. Mamaaaa, doof, doof, dooohooofff!!“

(Emma-Lilu, 2 Jahre)

Wie schön es doch ist, einfach mal was doof zu finden!!!

Wer hat uns Erwachsenen eigentlich abtrainiert, Sachen auch mal nur doof zu finden?

WAS FINDEST DU DOOF ????

Der Wollwerf und der Überfant

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Ein Wollwerf und ein Überfant zogen einst durchs ganze Land.

Um Freunde hier und da zu finden.

Der Wollwerf, der sah ganz schaurig aus. Im Maul ganz spitze, scharfe Zähne und am Po, vom Schaf die Mähne.

Und der Überfant? Na, der war überhaupt kein Elefant. Vorn den Rüssel kunterbunt und das Hinterteil vom Hund.

Der Wollwerf fragte: „Wo gehen wir als erstes hin?“

Der Überfant sagte: „Zu dem Delphin! Der ist immer gut gelaunt und schlau!“

Der Wollwerf nickte. „Ja, genau!“

Am großen Meer dann angekommen, kam ein Delphin gleich angeschwommen.

„Delphin, willst du unsere Freundschaft teilen?“

„Wie habt ihr euch denn das gedacht, ihr Beiden?

Ich leb´ im Wasser, ihr an Land, ich muss hier bleiben, ihr am Strand.“

Traurig zogen beide weiter, dachten, vielleicht wäre es gescheiter, einen Freund an Land zu suchen.

„Ich hab´s,“ sagte da der Wollwerf mutig. „Wir gehen zu den Schafen hin, schließlich ist bei mir ein halbes drin!“

Als sie endlich eine Wiese fanden, sahen sie gleich, dass dort Schafe standen.

Der Wollwerf versuchte netter auszusehen und begann den wolligen Po nach vorn zu drehn.

Diesmal ergriff der Überfant das Wort. „Bleibt doch hier und rennt nicht fort!“

Erschrocken schauten ihn die Schafe an. „Nein, das kannst du schnell vergessen, der Wollwerf will uns doch nur fressen!“

Dem Wollwerf wurd´ das Herz ganz schwer: „Überfant, ich hab bald keine Hoffnung mehr!“

„Lieber Wollwerf, du bist doch kein Schuft! Komm, wir versuchen es bei den Tieren in der Luft!“

Nach ein paar Wochen dann, kamen sie bei einem Adler an. „Lieber Adler, wir sind einsam!“

Schnell flog er weg und sagte: „Nein danke, wir haben nichts gemeinsam!“

So suchten sie Tag ein, Tag aus

und stellten am Ende fest mit Graus,

kein Tier wollte ihre Freundschaft teilen.

Immer nur die gleichen Fragen, warum sie denn so komisch waren.

„Warum heißt du denn nur Überfant?“

„Na, weil ich nicht ausseh´ wie ein Elefant!“

„Und du?“ Ängstlich schauten sie den Wollwerf an.

„Wo kommt denn bloß dein Name her?“

„Meine Mama, ein Schaf, liebte einen Werwolf sehr!“

Am Ende standen sie noch alleine da,

fanden niemanden, der auch anders war.

Da schauten sie einander an, schlugen sich vor den Kopf und dann,

war es plötzlich sonnenklar, dass der beste Freund stets bei ihnen war.

„Ich bin bunt, na und“, sagte dann der Überfant.

„Und du wirst nur als Monster anerkannt.

Wichtig ist doch für Freundschaft das,

was du tief im Herzen hast!“

Luke und Sunny Möller

© Sunny Möller

Schau hin!

Eier, Milch, vielleicht ein bisschen Aufschnitt, wie hieß noch mal dieser Käse, den die Kinder so gerne mögen?……..Kopf hoch, Sunny! Gesichter, schau mal hin!

…..Ich frage mich die ganze Zeit, warum er nicht anruft? Er hat gesagt, der Abend sei grandios gewesen und er ruft die Tage an, was heißt denn, “ die Tage“?………..

………und wenn es doch was Schlimmes ist, was ist, wenn es Krebs ist? Der Arzt hat so komisch geguckt. „Jetzt machen Sie sich mal keine Sorgen, Frau Kinter!“ Ich habe solche Angst…………….

……..Wenn sie mich jetzt noch einmal in der Öffentlichkeit ´mein Moppelchen´ nennt, krieg ich ´nen Anfall und nenne sie Hängetittchen. Es gab mal Zeiten, da hat sie mich Hengst genannt, da war ihr Busen auch noch weiter oben………….

………65, ab morgen bist du Rentner Karl, blödes Gefühl, irgendwie, du hast jetzt immer frei Karl, gutes Gefühl, irgendwie…………..

……..ich hab 2 Fünfen, schon wieder 2 Fünfen, Ole hat gesagt, ich bin zu doof zum Atmen, Papa wird stinksauer sein……….

………ein Baby, ein Baby, ein Baby, ich glaub es wird ein Mädchen, wie sag ich das Mike, ob er sich freut?……….

So viele Gesichter, so viele Geschichten. Alte, Junge, große Nasen, kleine Ohren, kurze Beine, lange Haare, große Augen, schmale Hände, einzigartig jedes Mal! Hinsehen, aufnehmen, ansehen, lächeln, denken, mitfühlen, raten, fragen, erkennen, zuhören, mitgehen.

Schaut mal hin!! Jeder Mensch ein Buch!

© Sunny Möller

Kleine Monster

Ich finde, schlafen wird als Beschäftigung völlig unterschätzt. Schlafen kann man überall, mit und ohne Ritual. Vielleicht eine heiße Milch davor, auf dem Sofa, mit der Fernbedienung in der Hand, im Garten auf der Liege mit etwas Sonne im Gesicht, dieses Einkuscheln in die Kissen, mit der Decke zwischen den Beinen, bei kalten Füßen mit der guten alten Wärmflasche, dieses Abgleiten und Entspannen mit oder ohne Traum, mal sekundenlang wach und gleich wieder weg und irgendwann wach werden, wenn man ausgeschlafen ist. Freiwillig, nach dem Augen reiben und Strecken, nach dem probeweise Fuß aus dem Bett halten zur Temperaturkontrolle. Ein Luxus. Ich erinnere mich dunkel, dass es das gab…….in einer anderen Welt.

Mein Wecker ist verstaubt, die letzte Batterie hat sich im Innern übergeben. Ich brauche ihn nicht mehr. Ich habe jetzt etwas anderes. Sie kommen vor jedem Klingeln, vor jedem Wachwerden. Sie sind gnadenlos, eiskalt und berechnend. Sie zwingen dich Bücher zu lesen gegen halb 6, sie hüpfen auf dich und haben gute Laune um 5, sie lassen Autos durch den Flur rasen wie Donnerschläge, stecken dir Finger in Ohren und Nasen, sie rufen AUFSTEHN, AUFSTEHN, AUFTEHN!!!! Sie sind kleiner als du, aber böse und gemein, haben nie Mitleid, akzeptieren kein „noch 5 Minuten!“, kein nein. Es gibt welche, die nennen sie Kinder, für mich sind es Monster bis gegen halb neun!

© Sunny Möller

Mann – glücklich – eine Gegendarstellung

Mein Artikel „Mann-glücklich“ wurde leider nicht von allen Seiten positiv aufgenommen. Ein paar Männer waren tief getroffen!

„Sag mal Sunny, spinnst du jetzt eigentlich total?“

Gespräch mit einem guten Freund.

„Wie stellst du uns denn dar, als eine Horde schwanzgesteuerter Hirnamputierter!“

„Aber wenn ihr so am glücklichsten seid!“

Ein empörter und sogar leicht gekränkter Blick schlug mir entgegen. Das könnte jetzt interessant werden. Er holte Luft, das sprach für mehr als ugga ugga.

„Was glaubst du eigentlich, warum wir uns wieder so zurückziehen? Weil man Euch Frauen ohnehin nichts recht machen kann!“

´Euch Frauen´ stimmte mich immer leicht aggressiv.

„Ständig liest und hört man von Euch, wie der Traummann zu sein hat! Gut sollte er aussehen, Humor muss er haben, Geld auch nicht unwichtig, verständnisvoll, gefühlvoll, zärtlich, intelligent, treu, und und und! Vielleicht haben wir uns irgendwann wieder mehr auf unseren Schwanz konzentriert, weil der einfacher zufrieden zu stellen ist. Denn was passiert denn, wenn du für die Frau deiner Träume der Märchenprinz sein willst?

„Emanzipiert wollt ihr sein, aber einen Mann ansprechen, um Gottes Willen. Nachdem wir ordentlich gekratzt haben, lasst ihr euch eventuell zu einem Date hinreißen, was natürlich, trotz Gleichberechtigung, von uns finanziert wird. Wo läge auch Euer Wert, bei getrennten Kassen? Wenn wir Pech haben, müssen wir uns beim Essen dann auch noch anhören, was ihr schon für scheiß Typen kennengelernt habt, die die moderne Frau von heute, nicht ansatzweise zu schätzen wissen.

Ihr wollt zwar Kerle, starke Männer, die euch erobern, halten und beschützen. Aber das reicht schon lange nicht mehr!

Zeigst du große Gefühle, bist du ein Weichei, hältst du sie zurück, ein Arschloch. Machst du viele Geschenke mutierst du zum Schleimer, bei zu wenig zum Geizhals. Hörst du zu, schweigt sie. Gehst du, will sie reden. Trinkst du, bist du ein Säufer, tendierst du zum Wasser, die Partybremse. Wirst du angeflirtet, ein Ficker, wenn nicht, der Ladenhüter. Sagst du ja, will sie nein. Du kannst es nicht richtig machen! Niemals!“

Ich musste schlucken. Hatte er recht? Waren wir nie zufrieden? Konnte ER nie gewinnen?

„Und weißt du Sunny, was das Schlimmste an der ganzen Sache ist?“

„Was?“

„Die Guten vergesst Ihr! Eure größten Lieben sind immer die Arschlöcher!“

Ich dachte nach. Versuchen wir unsere Männer zu unterdrücken und klein zu halten, damit sie nicht ihrer wahren Bestimmung folgen können? Reizt uns der Reiz „beherrscht“ zu werden und wollen wir es uns nur nicht eingestehen? Der sensationelle Erfolg von „Shades of Grey“ wäre erklärt!  Vielleicht haben auch wir die Höhle nie richtig verlassen…..

© Sunny Möller